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Großstädte Polens

Lodsch (Lodz)


Piotrkowska Straße   - Wedlowski / WIKIPEDIA

 Allgemein

Lodsch ist die Hauptstadt der gleichnamigen Wojewodschaft Lodsch. Seine 750.000 Einwohner machen es zur drittgrößten Stadt Polens.
Touristisch ist Lodsch noch weitgehend unentdeckt. Sehr zu unrecht, denn in kaum einer anderen europäischen Stadt lässt sich die Geschichte der industriellen Revolution besser ablesen als hier. Das Bild der Stadt wurde geprägt durch das Zusammenleben vieler Nationen und Kulturen, hauptsächlich Polen, Russen, Juden und Deutsche.
Die Stadt entwickelt sich zunehmend zum Dienstleistungszentrum mit einer sehr aktiven Kulturszene.


 Geschichtliches

Im Zuge der Industrialisierung wuchs Lodsch ab Beginn des 19. Jahrhunderts innerhalb weniger Jahrzehnte von einem 800-Seelendorf zur weltweit größten Textilmetropole mit 600.000 Einwohnern. Von 1815 bis 1914 dem russischen Teilungsgebiet zugehörig, profitierte die Stadt davon, dass alle Waren zollfrei ins russische Riesenreich gelangten. Die Menschen die zum Arbeiten und Leben kamen, waren buntgemischt: deutsche Handwerker und Weber, jüdische Landarbeiter und Kleinpächter, aus der Leibeigenschaft befreite polnische Bauern, russische Beamte. Wer es zu etwas bringen wollte, musste anpacken können, Ideen haben und ein Startkapital besitzen. Textilbarone und Multimillionäre sprossen aus dem wirtschaftlichen Aufschwung. Herkunft und Glaube waren egal. Polen, Russen, Deutsche, Katholiken, Protestanten, Juden und Orthodoxe hatten die gleichen Chancen - sowohl am Reichtum teilzuhaben als auch im Arbeiterelend zu versinken.
Lodsch wird auch das Manchester Polens genannt und auch hier führte die gnadenlose Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft zu Aufständen, Streiks und Barrikadenkämpfen. Früher als im restlichen Polen, kämpften die Arbeiter für fairere Bedingungen.

Im September 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht kampflos in Lodsch ein. Bereits im Februar 1940 wurde das Ghetto Lodsch errichtet, eines der größten im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Insgesamt wurden hier 200.000 Menschen interniert und später in Vernichtungslager deportiert. Ein Teil des Ghettos wurde zum Jugendverwahrlager. Ursprünglich für Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren geplant, wurde das Alter auf 8 Jahre herunter gesetzt und später ein Block für Kleinkinder ab 2 Jahre eingerichtet. Die Kinder mussten bis zu 12 Stunden täglich arbeiten, wurden schlecht ernährt und hart bestraft. Es kam zu Erschießungen und Epidemien. Schätzungen gehen davon aus, dass 13.000 bis 20.000 Kinder bis 1945 im Lager interniert waren.

Die Deutschen, die nach Ende des Krieges 1945 nicht geflohen waren, wurden vertrieben. Statt ihrer kamen Polen, die ihrerseits ihre Heimat im Osten verlassen mussten. Die Textilproduktion ging weiter und da die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Bereiche im Vergleich zu anderen polnischen Städten weniger zerstört waren, wurde Lodsch wichtiges Fundament für den Aufbau des Landes und bis 1948 auch Regierungssitz.

Erst die Wende 1989 brachte die Räder in den Fabriken zum Stehen. Durch die Konkurrenz asiatischer Billiganbieter und das Wegbrechen der osteuropäischen Märkte war die Textilproduktion nicht mehr rentabel. Die Arbeitslosigkeit stieg, die Stadt verkam zusehends. Erst in den letzten zehn Jahren erholt sich Lodsch wieder.
Heute gilt Lodsch als Filmmekka, Techno-Hochburg und Touristenstadt. Die Häuser, Palais und Fabriken wurden aufwendig restauriert, präsentieren sich in einem recht einheitlichen Architekturstil und geben Einblick in die Geschichte der Industrialisierung.


 Piotrkowska Straße

Die Innenstadt von Lodsch besteht aus schnurgeraden, schachbrettartig sich kreuzenden Straßen. Hauptader bildet die fast fünf Kilometer lange Piotrkowska Straße. An ihr reihen sich Paläste und Villen der früheren Lodscher Textilmagnaten, restaurierte Fabrikgebäude, Bankhäuser, Geschäfte, viele Straßencafes, Bars und Restaurants aneinander. Die Gebäude sind im Stil des Neobarock, der Neorenaissance und im Jugendstil gehalten. Für Architekturliebhaber ein Muss!


 Poznanski-Palais und Fabrik

Izrael Poznanski stiegt vom Lumpensammler zum Baumwollkönig auf. Seine Residenz sollte selbst das Warschauer Schloss in den Schatten stellen und so baute er einen neobarocken Palast, indem sich ein Prunksaal an den anderen reiht und die Stockwerke durch ausladende Freitreppen miteinander verbunden sind. Die restaurierten Räume beherbergen Möbel, Spiegel, Bilder und Musikinstrumente aus Poznanskis Sammlungen und zeugen von seinem unglaublichen Reichtum und seiner Extravaganz.

Auf dem ehemaligen Poznanski-Fabrikgelände nebenan befindet sich nun die Manufaktura, das größte Einkaufs- und Kulturzentrum Polens. In den Backsteingebäuden mit ihren eindrucksvollen Türmen webten, färbten, walkten und sponnen seinerzeit die Arbeiter rund um die Uhr.

Ein Fabrikgebäude wird von der neuen Dependance des Kunstmuseums genutzt. Bedeutende Werke der Klassischen Moderne, Arbeiten von Picasso, Chagall, Klee und Joseph Beuys sind dort zu finden.

Im Fabrikmuseum können Sie originale Webstühle und riesige Spinnmaschen sehen. Ein authentisches Bild von der Arbeitswelt in den Tuchfabriken des 19. Jahrhunderts entsteht.


 Pfaffendorf

Pfaffendorf war Europas größte Baumwollfabrik. Sie entstand durch den Zusammenschluss der Textilbarone Grohmann und Scheibler. Die gewaltige Anlage befindet sich im Süden der Neustadt und beherbergt neben der Fabrik, eine Schule, ein Krankenhaus, eine Feuerwache und eine Arbeitersiedlung. Pro Familie gab es eine Ein-Raum-Wohnung in der gekocht, gegessen und geschlafen wurde.

Der Kontrast könnte nicht größer sein: Neben dem Werksareal steht, idyllisch am Teich gelegen, der Erward-Herbst-Palast und gibt Einblick in das luxuriöse Industriellenleben im 19. Jahrhundert. Das gesamte Interieur ist erhalten geblieben oder stilecht dazu gekauft worden. Im Erdgeschoss befinden sich Spiegelkabinett, Speisesalon, Ballsaal, Billard-, Japan-, und Jagdzimmer. Im Obergeschoss liegen die privaten Wohnräume, ebenfalls prächtig ausgestattet.


 Neuer Jüdischer Friedhof

Mit 180.000 Grabstätten ist der Neue Jüdische Friedhof von Lodsch der größte Jüdische Friedhof Europas. Er erstreckt sich auf 41 verwilderten Hektar. Teilweise bombastische Mausoleen im Jugendstil zeugen auch hier von dem immensen Reichtum der Textilmagnaten.

Im Ostteil des Friedhofs liegt ein Gräberfeld in dem die 43.517 Juden anonym bestattet wurden, die im Lodscher Ghetto 1940-44 an Krankheit oder Hunger starben oder ermordet wurden. Weitere 800 Gräber blieben leer. Hier müssten Menschen ihre eigenen Gräber ausheben, doch die Rote Armee traf ein, bevor die Erschießung stattfinden konnte.


 Lodsch als Kinomekka

Lodsch wird häufig als Hollylodsch oder Pollywood bezeichnet, in Anlehnung an die Filmmetropole Hollywood.
In der Stadt werden die meisten Spiel- und Dokumentarfilme Polens produziert. Seit 1948 befindet sich hier die Staatliche Filmakademie, die über eigene Filmstudios und Produktionsstätten verfügt.

Die staatliche Hochschule „Leon Schiller“ ist eine der bedeutendsten Filmhochschulen für Regisseure, Kameraleute und Schauspieler der Welt. In den Studiengängen Regie, Kinematographie, Schauspielerei und Produktionsmanagement werden zur Zeit etwa 1000 Studenten unterrichtet. Zu den Absolventen gehören Roman Polanski und Andrzej Wajda.

Das Filmmuseum oder Museum für Kinematografie befindet sich im Scheibler-Palais. Zu sehen gibt es Filmvorführgeräte, Bildbetrachtungsapparate, optische Spielsachen, Beleuchtungsausrüstungen, Geräte für den Filmschnitt und die -bearbeitung und zahlreiche alte Filmplakate. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Leben und Werk verschiedener Filmschaffender und mit der Rolle der Kostüme im Film.

In Lodsch gibt es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Film. Das "Camerimage" ist das weltweit größte Treffen von Kameraleuten. Es gibt das "Internationale Festival für Naturfilme", das "Festival für Filmmusik", die "Messe für Fotografie, Film und Video" und viele kleinere Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen zum Thema.


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Links im Internet zur Kultur in Polen

 Die Schlösser Polens

 Polonium Art- Zeitgenössische polnische Kunst



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